00:00:02: Willkommen zum Podcast Milding-Pod.
00:00:05: Migration im Dialog.
00:00:12: In diesem Podcast sprechen wir mit Nachwuchswissenschaftlerinnen aus verschiedensten Fachgebieten wie zum Thema Migrationforschen.
00:00:19: Ein Einblick also in Migrationsforschung über die Grenzen wissenschaftlicher Disziplinen hinweg.
00:00:24: Organisiert wird der Podcast vom Nachwuchsnetzwerk des interdisziplinären Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung an der Universität Thysburg-Essen.
00:00:34: Zwischen Präkarität und Aufstiegsversprechen Arbeits- und Lebensbedingungen von MigrantInnen im Ruhrgebiet gestern und heute.
00:00:42: Das war der Titel einer Veranstaltung, die im Juni, twenty-fünfundzwanzig im Höchstmuseum in Dortmund stattfand und die wir heute zum Anlass nehmen wollen, genauer auf die Arbeits- und Lebensbedingungen von MigrantInnen im Ruhrgebiet zu schauen.
00:00:56: Spezifischer versuchen wir, mit Hilfe unserer GesprächspartnerInnen die Perspektive von ehemaligen GastarbeiterInnen sowohl sichtbar zu machen und eben auch ihre Erfahrungen in den Mittelpunkt zurück.
00:01:07: Ja, und damit herzlich willkommen zur neuesten Episode des Podcasts Melting, Portmigration im Dialog.
00:01:13: und auch noch ein frohes neues Jahr.
00:01:15: Alle Hörerinnen da draußen.
00:01:16: Wir sind ja mittlerweile im Januar, zwanzig, sechsundzwanzig angekommen.
00:01:21: Mein Name ist Marina und ich moderiere heute gemeinsam mit Laura.
00:01:25: Hallo, Laura.
00:01:26: Hi.
00:01:27: Ja, und bevor wir gleich dazu kommen, unsere heutigen Gäste innen vorzustellen, möchte ich gerne noch kurz das Wort an Prof.
00:01:35: Dr.
00:01:35: Emrail-Gümbir Mheolo abgeben, die uns einen kleinen Einblick in die Hintergründe unserer heutigen Folge liefert.
00:01:45: Hallo, mein Name ist Emra El-Gümbel Himmer-Ole.
00:01:49: Ich bin Professorin für Migration, Integration und Partizipation an der Fachhochschule Dortmund am Fachbereich Angewandte Sozialwissenschaften.
00:01:59: Zusammen mit Dr.
00:02:01: Kirsten Hösch vom DFIS-Institut An der Universität Duisburg Essen und Isolde Paroussel vom Hörschmuseum haben wir gemeinsam ein Kooperationsprojekt geplant und durchgeführt.
00:02:15: Dabei ging es groben um die Arbeitsbedingungen von migrantisierten Personen, früher und heute.
00:02:24: In diesem Rahmen habe ich dann ein Lehrforschungsprojekt im Sommersemester-Sommer-Semester-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Sommer-Som an der Frage gearbeitet haben, wie sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Gastarbeiterinnen im Ruhrgebiet gestaltet haben und wie diese unter dem Aspekt von Jana einzuordnen sind.
00:02:46: Dafür haben die teilnehmenden Studierenden selbstständig Interviewpartnerinnen gesucht.
00:02:51: Das waren eben ehemalige Gastarbeiterinnen aus dem Ruhrgebiet, haben diese Interviews geführt, anschließend transkribiert und dann haben wir diese gemeinsam ausgewertet.
00:03:04: Das Ergebnis dieser Arbeit haben wir dann bei einem Fachtag im Juni im Hirschmuseum einem interessierten Plenum vorgestellt.
00:03:15: Das war ein ganz spannendes Projekt, bei dem eben zahlreiche Studierende teilgenommen haben und von denen einige das Ergebnis dieser Arbeit vorstellen werden.
00:03:27: Genau und das ist die perfekte Überleitung zu unseren heutigen Gästen.
00:03:32: Wir freuen uns nämlich sehr, dass zwei der Studierenden aus dem Lehrforschungsprojekt auch von ihren Erfahrungen in diesem Forschungsprozess und den Ergebnissen der Studie berichten werden.
00:03:43: Hallo an euch beide, Dylan Bohr und Ekrem Kesskin.
00:03:49: Schön, dass ihr da seid.
00:03:50: Ich sage noch einmal kurz, ihr studiert beide aktuell im Bachelor Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Migration Integration an der Fachhochschule Dortmund, und zwar im dualen Studium.
00:04:03: Und deshalb sind wir umso glücklicher, dass ihr die Zeit findet, heute mit uns darüber zu sprechen, wie eure Forschung in diesem Lehrforschungsprojekt war.
00:04:15: Bevor wir da aber inhaltlich tiefer einsteigen, starten wir mit einer kleinen Entwederoder Frage.
00:04:23: Wir sind ja jetzt am Beginn des neuen Jahres angekommen und das ist ja immer so ein bisschen ein kontroverses Thema.
00:04:30: Startet man jetzt mit guten Vorsätzen ins neue Jahr oder lässt man es einfach auf sich zukommen?
00:04:36: Was ist denn eure Meinung dazu?
00:04:40: Ich glaube, Pause zu machen, ist bei mir nicht mehr drin.
00:04:45: Irgendwann gewüllt man sich an diesem Rhythmus.
00:04:47: Es ist jedes Jahr immer am Jahresende das Gleiche.
00:04:51: Ich glaube, ich lasse es einfach auf mich zukommen dieses Mal.
00:04:55: Genau, bei mir sieht es auch so aus.
00:04:57: Also ich lasse das neue Jahr jetzt auch auf mich zukommen.
00:05:01: Ich gucke, was kommt, was kommt.
00:05:03: Und wenn ich dann in der Situation bin, dann wird sich ja auch alles klären und es läuft dann alles.
00:05:09: Und ja, ich freue mich.
00:05:11: Auf das neue Jahr.
00:05:13: Das ist ja auch eine schöne Einstellung.
00:05:16: Ja.
00:05:16: Ja, sehr schön.
00:05:18: Wir blicken jetzt aber, bevor wir auf das Ja, was uns jetzt ja noch bevorsteht.
00:05:24: Blicken wir erst nochmal zurück auf das Lehrforschungsprojekt.
00:05:26: Wir haben ja gerade schon ein bisschen was davon gehört.
00:05:29: Thema war die Situation von Gastarbeiterinnen.
00:05:32: Das war ja in eurem Fall durchaus auch ein persönliches Thema, allein weil es auch tief in eurer Familiengeschichte, in eurer eigene Familiengeschichte verankert ist.
00:05:41: Wie war das denn für euch?
00:05:43: Genau, meine Opa's sind Gastarbeiter und meine Oma's sind dann auch nachgekommen.
00:05:47: Selbst meine Eltern sind auch nicht in Deutschland geboren, die sind dann auch hierhin gekommen, hierhin gewandert.
00:05:51: Und deswegen hatte das ganze Thema sowieso schon.
00:05:53: Ganz am Anfang ein emotionales, also einen emotionalen Wert für mich.
00:05:57: Und ja, vorab kann ich sagen, es hat mich eigentlich die ganze Zeit sehr tief berührt, also das ganze Projekt über.
00:06:06: Und Dylan, wie war es für dich auch so ein Thema auch wissenschaftlich zu bearbeiten, was eben auch Teil deiner Familiengeschichte selbst ist?
00:06:14: Genau, also bei mir war das auch so, dass mein Opa in den Siebzigerjahren nach Deutschland gekommen ist, um hier zu arbeiten.
00:06:21: Und dann, circa zehn Jahre später, hat er dann meine Großmutter geholt und ein Teil seiner Kinder konnte er dann wohl, unter anderem auch meine Mutter.
00:06:31: Und dieses Projekt war, wie Ekram ja auch schon gesagt hat, sehr emotional.
00:06:38: Es war eine ganz andere Ebene, noch mal ein ganz anderer Blickwinkel, weil das ein wissenschaftlichen Rahmen war, weil wir gezielt Fragen stellen konnten und uns auch anhand dieser Fragen im wissenschaftlichen Rahmen auch zum Teil bisschen distanzieren konnten, was mir persönlich sehr geholfen hat und die... die Erfahrungen, die die ganzen Gastarbeiterinnen gemacht haben, unter anderem auch mein Opa, auch mal aus einem ganz ganz anderen Blickwinkel wahrzunehmen, weil die Geschichten kennt man, die Geschichten hört man oder ich habe die Geschichten ständig gehört.
00:07:22: Ich konnte nie mit meinem Opa darüber sprechen, weil er leider verstorben ist, aber ich hatte halt die Möglichkeit mit einem Gastarbeiter dann darüber zu sprechen und das war sehr, sehr... im Team und das war schon so ein vertrauernder Opus, die uns gar nicht kannten, aber weil er so viele Geschichten kennt von sich selber und auch von anderen Gastarbeiterinnen, unter anderem dann auch von meinem Opa jetzt im übertragenen Sinne, war das so, er hat mich gesehen und ich hab ihn gesehen.
00:07:55: Also es war so eine Vertrautheit, obwohl wir zwei fremde Personen in einem Raum waren.
00:08:01: Ja, verstehe es.
00:08:03: Ekrem, du hast beispielsweise auch, hast du erzählt, deine Oma interviewt, oder sogar beide Omas?
00:08:10: Genau, richtig.
00:08:11: Und du hast gerade auch schon erzählt, was Dylan jetzt auch angesprochen hat, diese emotionale Nähe, die einfach da aufkommt bei den Gesprächen.
00:08:17: Total.
00:08:18: Wenn bei meiner eigenen Oma wird, ist ja diese emotionale Nähe, ist ja nochmal was anderes.
00:08:23: Ekrem hat jetzt auch gerade angesprochen, dass so dieser... wissenschaftliche Rahmen, ja auch so ein bisschen Distanz dann schafft.
00:08:30: Wie stelle ich mir das dann vor, wenn ich ein Familienmitglied interviewe?
00:08:35: Hat das dann auch geholfen, irgendwie das Distanz zu wahren?
00:08:39: Oder wie bist du generell mit dieser emotionalen Nähe umgegangen?
00:08:42: Also ich hatte mehrere Interviewpartner innen und habe mich bewusst auch für Familienmitglieder entschieden.
00:08:48: Also ich war auch froh darüber, dass ich die Möglichkeit überhaupt hatte.
00:08:52: Und die Gespräche fanden in der Küche statt von meinen Omas.
00:08:56: Das war ja schon eine sehr schöne Atmosphäre, eine Atmosphäre, die man kennt.
00:09:02: Aber natürlich kommt man da nicht rein mit einem Interview-Leitfaden.
00:09:07: Solche Gespräche entwickeln sich ja eigentlich ganz natürlich und dann bekommt man Informationen mit, dass es damals passiert und das und das.
00:09:16: Aber so richtig gezielte Fragen mit einem Leitfaden, das war schon interessant.
00:09:25: Es hat definitiv... mehr mit mir gemacht, glaube ich, weil vielleicht würde ich auch einige Fragen einfach nicht stellen, weil ich die Antwort auch nicht wissen will, weil ich weiß, okay, mein Omas ging es damals wahrscheinlich nicht so super.
00:09:38: Und ja, selbst meine Omas waren überrascht, dass ich überhaupt diese Fragen gestellt habe.
00:09:43: Die waren so, warum wir, warum, warum will man das wissen?
00:09:46: Wer will das wissen?
00:09:48: Das war auf jeden Fall sehr schön, denen die Bühne zu geben.
00:09:54: Jetzt, wenn ich mir so vorstelle, dann in der Küche meiner Oma zu sitzen, Dylan, wo haben bei dir die Interview-Stadt gefunden?
00:10:00: Bei mir hat das Interview in einer Bäckerei-Stadt gefunden.
00:10:05: Das ist auch sehr, sehr süß war und wir sind da angekommen und mein Interview-Partner saß dann schon ganz bereit dort, mit seinem Händ ganz zugeknüpft, also wirklich so richtig, richtig süß saß er da mit seinem Käppchen und dann haben wir uns halt kennengelernt.
00:10:23: Wir haben ihn dann, beziehungsweise ich habe ihn dann alles einmal kurz erklärt.
00:10:28: Und das, was ich so toll fand, war, dass er dann zum Beispiel die ganze Zeit darauf bestanden hat, einen Kaffee auszugeben oder, also er hat mich direkt in sein Herz geschlossen und hat mich als ein Familienmitglied.
00:10:42: gesehen und auch empfunden.
00:10:43: Genau, also das hat er dann auch gesagt und das meinte ich halt auch vorhin, dass diese Vertrautheit schon die ganze Zeit da war, obwohl wir uns halt gar nicht kannten, aber weil die Geschichten verbinden, weil einfach so viel Schmerz und auch so viele Tränen geflossen sind, von denen die Gastarbeiterinnen nicht sprechen oder nicht sprechen konnten, weil der Raum nicht gegeben wurde.
00:11:10: und dann sind wir gekommen, haben die Fragen gestellt, so wie Ektam ja auch schon gesagt hat und die haben sich oder ich hatte das Gefühl, dass sich viele das erste Mal gesehen und gehört gefühlt haben und auch dankbar waren für diese Möglichkeit und ich hatte das Gefühl, dass die so lange darauf gewartet haben, dass einfach mal jemand kommt und fragt und dass sie einfach erzählen dürfen.
00:11:34: Und einfach reden, erzählen, ohne irgendwelche Filter, einfach so wie es war.
00:11:42: Also auch über den Vorschussgegenstand hinaus einfach ein sehr wichtiges Thema, das anzugehen, das zu besprechen.
00:11:50: Wie war das dann?
00:11:52: Also weil es ist ja auch wieder... sehr emotional aufgeladen.
00:11:56: Wie war das dann für euch?
00:11:57: Hattet ihr das Gefühl, dass ihr zwischen einer wissenschaftlichen und einer familiären Rolle ständig switchen musstet oder soll ich das einfach gefallen oder war das eher schwierig?
00:12:07: Wie habt ihr da so eure Rollen navigiert?
00:12:09: Also bei mir war das tatsächlich schwierig, vor allem am Anfang.
00:12:13: Kann ich mir vorstellen.
00:12:14: Vor allem als ich meiner Oma dann gesagt habe, dass das Ganze aufgenommen wird.
00:12:18: Da wurde sie ganz nervös plötzlich.
00:12:20: und dann war sie Was wenn ich was Falsches sage?
00:12:22: Und ich meinte, Oma, du kannst nichts Falsches sagen.
00:12:25: Erzähl einfach, so wie es war.
00:12:28: Es hat ein bisschen gedauert, aber dann hat sie das Ganze vergessen.
00:12:32: Also, dass das Ganze aufgenommen wird.
00:12:33: Dann war sie in ihrem Modus und hat einfach drauf los erzählt.
00:12:38: Also, wir wurden auch mehrmals gestört.
00:12:42: Das Haus meiner Oma ist auch so eine Hotspot für alle.
00:12:44: Also, da kamen viele.
00:12:46: viele rein, viele raus.
00:12:47: Also viele in die Küche haben dann Tee gemacht und dann kam die Katze rein und dann hat meine Oma irgendwie einen Anruf bekommen aus der Türkei und naja, wir mussten das Ganze dann ein bisschen navigieren.
00:12:59: Also bei mir war das so, dadurch, dass ich ja jetzt kein so enges Verhältnis mit meinem Interviewpartner hatte, also ich kannte ihn ja nicht, war das so, dass ich die Fragen besser stellen konnte.
00:13:15: Also es war trotzdem sehr emotional, weil ich mir währenddessen immer gedacht habe, wer weiß, was mein Opa erzählt hätte jetzt.
00:13:24: Wahrscheinlich jetzt nicht das gleiche, aber sehr, sehr ähnliche Erlebnis der Erfahrungen, die die geteilt haben.
00:13:32: Und ich fand das auch so schön, weil das Interview hat ja auch türkisch stattgefunden.
00:13:41: Also, ich hab das Interview auf Türkisch mit meinem Interviewpartner geführt und dadurch hatte ich das Gefühl, dass er halt viel mehr erzählen konnte auch.
00:13:51: Also, sich auch viel besser ausdrücken konnte natürlich, weil das seine Muttersprache war.
00:13:56: und ja, das war auch, das war ganz toll und das hat mich so berührt, weil ich mir dachte, er hat so lange darauf gewartet, einfach zu erzählen und Es wird Zeit oder es ist Zeit, dass die Geschichten jetzt eigentlich gehört haben.
00:14:15: Vor allem dann auch auf einer Sprache, die dann eben einfacher ist, wo dann eben schon mal so eine erste Barriere auch wegfällt.
00:14:21: Auf jeden Fall.
00:14:22: Wir gehen gleich auch nochmal darauf ein, was die Ergebnisse eurer Interviews waren.
00:14:29: Wir haben aber gerade schon im Einspieler gehört, dass die Ergebnisse dann auch im Höschmuseum auf einer Veranstaltung vorgestellt wurden.
00:14:38: Wie war das denn so für euch?
00:14:40: Also wir wussten, das ist unser Ziel am Ende.
00:14:43: Und ja, der Weg dahin war definitiv interessant.
00:14:48: Aber wir wussten alle von Anfang an, wir wollen eine gute Show abliefern.
00:14:51: Wir wollen den Leuten, die wir interviewt haben, den Respekt geben, dass wir alles gut darstellen.
00:14:57: Also mit gutem Darstellen meine ich nicht mal, dass die im besten Licht stehen oder sonst was, sondern... dass sie diesen Raum bekommen, überhaupt gehört zu werden.
00:15:05: Und nicht nur das Positive.
00:15:06: Sonst, die Geschichten sind ja natürlich immer auch etwas positiv ausgelegt.
00:15:11: Und ich finde, man, nicht, dass man sich immer auf das Negative fokussieren muss, das meine ich gar nicht.
00:15:15: Aber auch zu zeigen, es gab viele, viele Schwierigkeiten.
00:15:19: Und nicht alles lief superglad und superperfekt von Anfang an.
00:15:23: Das Ganze hat viel mit, na ja, Problem.
00:15:26: Und die Türen wurden nicht sofort geöffnet.
00:15:29: Also ... Es hat eine Weile gedauert, definitiv.
00:15:35: Auf jeden Fall, genau.
00:15:37: Und es war auch so ein Großverantwortungsgefühl einfach da, dass die Ergebnisse, dass die Geschichten, so wie Ekta mir auch schon gesagt hat, richtig erzählt werden und richtig dargestellt werden, ohne irgendwelche Filter und dass sie auch, dass das auch auf einer respektvollen und wertschätzenden Ebene stattfindet.
00:15:59: ist sehr schön auch so diese Positioniertheit als Wissenschaftlerin und auch noch die Verantwortung für eure Interviewpartnerinnen, dass ihr die auch schon so fühlt und spürt.
00:16:09: Wir haben jetzt auch schon darüber gesprochen, dass auch zum einen ja auch Teil eurer Familiengeschichte ist.
00:16:14: Hat es dadurch auch dafür gesorgt, dass ihr euch bei diesem Thema auch sicherer gefühlt habt als bei vielleicht anderen Themen, einfach dadurch, dass ihr eben allein schon Expertinnen durch eure eigene Lebenserfahrung seid?
00:16:28: Ja, bei mir war das tatsächlich so, ich musste ab und zu einen Schritt zurückmachen und versuchen das Ganze nochmal neu zu sehen.
00:16:36: Also all diese Sachen, die ich schon wusste und von der Kindheit schon gehört bekommen habe.
00:16:42: Vieles war aber auch okay.
00:16:45: Ich habe mir jetzt nie Gedanken darum gemacht, ob es direkt Unterstützung gab, als ihr nach Deutschland kam.
00:16:51: Oder ob es der ganze Lebensweg dort hin, wie das war, wie das ob es Veränderungen gab durch das Leben in Deutschland.
00:17:00: Was hat sich verändert?
00:17:02: Wie war es mit der Sehnsucht, mit dem Pendeln, mit dem Familiennachzug?
00:17:05: All diese Themen, man redet darüber.
00:17:08: Aber wie gesagt, dieser Leitfaden, den wir dann vorher gemeinsam erstellt haben, hat einem das vereinfacht, dass man genau die richtigen Fragen stellt und dann merkt, okay, sonst hätten wir nicht über dieses Thema wirklich gesprochen.
00:17:19: Also, ja, das war definitiv interessant, dass sich einfach mal... aus so einer Vogelperspektive auch draufschauen kann und nicht mittendrin auch bin als Migrakind.
00:17:31: Ja,
00:17:31: genau.
00:17:32: Also da kann ich mich erklären, auf Anschließen.
00:17:35: Es war ein... Also es hat sich angefügt wie ein Safe Space, weil man die Geschichten, wie gesagt, schon kannte.
00:17:43: Man hat sie gehört.
00:17:46: Ich will nicht sagen das Problem, aber so wie der Alltag dann ist, gehen Geschichten unter auch... in den Familien, man spricht nicht darüber, weil es einfach so wahr war, wie es war.
00:17:57: Die GastarbeiterInnen, unsere Großeltern sind nach Deutschland gekommen, sie haben nur gearbeitet von morgens bis abends, sie haben das Geldverdienst, sie haben versucht sich irgendwie über was was zu halten und trotzdem irgendwie auch anerkampst zu werden.
00:18:11: Sie haben sich ständig angestrengt, angestrengt und angestrengt, aber man denkt im Alter nicht darüber nach.
00:18:17: Und dank dieses Forschungsprojektes war das dann so, dass wir nochmal ein anderes Bewusstsein dafür bekommen haben.
00:18:27: Also, dass wir nochmal wirklich vor die Augen geführt bekommen haben.
00:18:32: Das, was unsere Großeltern, was all die Gastarbeiterinnen durchgemacht haben, das war alles andere als einfach.
00:18:41: Also, ich habe ja auch meine Omas gefragt gehabt.
00:18:42: Ich habe auch die Großeltern von meinem Schlagerinterview.
00:18:45: Die waren auch so nett und haben mir ein paar Sachen erzählt und als dann die Frage zum Beispiel aufkam, ob es, naja, ob es so Organisationen gab und ob es Treffen gab, war das interessant zu hören, dass es immer noch die gleichen Orte waren.
00:18:58: Also es gab Kuranveranstaltungen in der Moschee zum Beispiel, wo sich dann vielleicht die Frauen getroffen haben.
00:19:04: Also das hat sich über die ganzen Jahre immer noch, naja, es ist immer noch da.
00:19:10: Diese Zugänge, die sind immer noch offen, also diese Clubs, diese Gemeinschaften, das fand ich auch ziemlich interessant, dass sich das so lange gehalten hat, auch wenn man überlegt, also wir sind ja schon ziemlich lange hier, ich bin hier geboren, die landen auch, aber trotzdem diese, diese Türen sind immer noch offen für die Leute, die Support brauchen oder Community brauchen.
00:19:28: Ja,
00:19:30: das hat auch eine ganz große Rolle gespielt in den Interviews, weil wir haben ja am Ende auch die ganzen Interviews ausgewertet und es kam halt immer wieder vor, dass die Interviewpartnerinnen geantwortet haben, dass der Zugang zur Gesellschaft schwierig war und aus dem Grund haben die sich in ihren eigenen Bubbles zusammengeputt und an den eigenen Bubbles auch so extrem festgehalten, weil die sich dort sicher geführt haben.
00:19:58: Und dieser Zusammenhalt spielt so eine große Rolle, insbesondere, wenn man halt eine schwierige Zeit durchmacht, wenn du alleine in einem fremden Land bist und Leute suchst, die dich verstehen, die ... seine Bestweise verstehen, die deine Sprache verstehen und die auch verstehen, wie du dich fühlst und warum du dich so fühlst.
00:20:20: Und deswegen waren all die ganzen, also die ganzen Vereine, die dann gegründet wurden, intern in den Communities, sehr, sehr wichtig und haben sich auch aus diesem Grund weiterhin durchgesetzt und die existieren einfach immer noch.
00:20:36: Ich höre so ein bisschen raus, ihr seid von Expertinnen aus eurer eigenen Lebensrealität auch Forschungsexpertinnen in gewisser Weise zu dem Thema geworden.
00:20:47: Und wir wollen gerne jetzt nochmal so ein bisschen den Blick auf den Forschungsprozess und auch die Ergebnisse, die ihr erarbeitet habt, lenken.
00:20:58: Nachdem wir jetzt schon, glaube ich, einen ganz guten Eindruck bekommen habt, ja, wie ... Ja, wie, was das mit euch gemacht hat, überhaupt dieses Thema anzuschauen.
00:21:08: Also wir haben jetzt schon gehört, ihr habt ein Leitfaden erstellt in der Gruppe, habt mit diesem Leitfaden die Interviews geführt und die waren mehrheitlich in der Muttersprache der Interviewen.
00:21:24: Du hattest jetzt gerade schon gesagt, Dylan, dass es vielleicht für die interviewte Person eben auch dann so war, dass sie viel mehr und auch sich viel freier vielleicht mitteilen konnten und ja auch in der Sprache, in der sie sich wohlgefühlt haben, wie war es denn?
00:21:40: für euch auf dieser Sprache das Interview zu führen, weil Forschung oder auch das Studium findet ja wahrscheinlich normalerweise auf Deutsch statt und auch da könnte ich mir vorstellen, dass es vielleicht ungewohnt ist oder so.
00:21:52: Also wenn ihr da nochmal eure Erfahrungen überwahlen wollt.
00:21:56: Also ich finde das Ganze auf Türkisch zu machen hat sich für mich viel näher angefühlt.
00:22:00: Also
00:22:01: die deutsche Sprache ist ja vor allem so ein Universitätskontext für mich.
00:22:06: Es ist wie so eine Mauer, will ich schon fast sagen, vor allem wenn es um so sensible Themen wie Zuwanderung, Migration geht.
00:22:13: Aber das Ganze dann auf der Muttersprache zu machen, vor allem dann meiner Oma zuzuhören, wie sie über, naja, Dinge erzählt, die nicht so toll waren, hat mich schon emotional berührt, muss ich sagen.
00:22:24: Also da musste ich auch zurück, okay, ich bin Forscher, ich bin hier von der Uni.
00:22:29: Und ich höre jetzt gerade nicht meiner Oma zu, wie sie mir diese Sachen erzählt.
00:22:35: Genau.
00:22:36: Und es ist ja auch so, dass viele, viele Wörter auch zum Beispiel der Sätze in der Muttersprache eine ganz andere Bedeutung haben als im Deutschen, weil sie nicht eins zu eins übersetzt werden können.
00:22:50: Und ich finde, das war auch so ein Punkt, was einen sehr, sehr großen Unterschied gemacht hat, weil es ist dann so, wenn die Muttersprache gesprochen wird, dann ist es ja auch so, dass die Interviewpartner innen.
00:23:04: viel mehr erzählen konnten, weil man bestimmte Wörter und Sätze nicht eins zu eins übersetzen kann ins Deutsche.
00:23:10: Und dadurch hat man noch mal einen ganz anderen Zugang, ein ganz anderes Verständnis auch für die Gefühle, die die erlebt haben und für seine positive Gefühle, aber auch negative Gefühle, die konnten viel besser zum Ausdruck gebracht werden.
00:23:23: Und es war intensiver, das alles dann zum Beispiel auf Türkisch zu hören.
00:23:29: Mein Interviewpartner hatte dann auch Ein, zwei Sachen dann auch auf Kurdisch gesagt und auf Kurdisch ist das dann auch nochmal anders als auf Türkisch.
00:23:39: Genau, das ist dann auch nochmal ein ganz anderer Zugang gewesen.
00:23:42: Also irgendwie hatte ich da das Gefühl, dass sich so auf Türkisch, Kurdisch und Deutsch auf drei Ebenen ganz unterschiedliche Zugänge hat und auch ganz unterschiedliche Gefühlslagen, die dann vermittelt wurden.
00:23:57: Ja, weil im Deutschen war das dann immer so eher distanziert, so klar strukturiert und im türkischen und im kurdischen war das viel emotionaler.
00:24:06: Ja, ich habe auch echt versucht die Emotionalität beizubehalten in der deutschen Sprache, weil manchmal gibt es Ausdrücke im türkischen, die sind so dramatisch, also türkisch ist allgemein so eine dramatische Sprache, habe ich das Gefühl und ich habe es versucht, so gut es geht, auch weil ich finde, das ist so wichtig.
00:24:24: Also man erzählt nicht nur so, mir ging es da nicht gut, sondern meine Welt ist zusammengebrochen.
00:24:28: in dem Moment zum Beispiel.
00:24:31: Ja, das finde ich auch total... spannend, weil ihr ja dann, ne, ihr habt die Interviews auf der Muttersprache durchgeführt, aber dann ging es ja darum, das Ganze zu übersetzen, um das auch gemeinsam analysieren zu können.
00:24:45: Genau.
00:24:46: Und genau, ich stelle es mir gar nicht so leicht vor, dann eben gerade diese Ausdrücke oder Sätze, die man vielleicht auch, wo es vielleicht gar nicht so ein gutes Pondort im Deutschen gibt oder wo wie vielleicht auch einfach, ja, ein anderer Sprache für Dinge haben.
00:25:02: Also du hast jetzt gerade schon gesagt, Ekrem, du hast versucht, das irgendwie mitzunehmen, diese Emotionalität in die Übersetzung, wie leicht oder schwer ist euch das gefallen?
00:25:13: Ich finde, allgemein, wenn man etwas so transkribiert und es nur noch so lesen kann und es nur noch wirter sind, nimmt es den Effekt auch ein bisschen schon weg.
00:25:22: Also in der Sprache, wenn man redet, dann... Gibt es Höhen und Tiefen?
00:25:27: Man merkt, eine Person ist gerade emotional betroffen oder sauer auch vielleicht.
00:25:32: Also das Ganze ist nicht so leicht.
00:25:34: Aber ich glaube, wir haben unser Bestes gegeben, dass es so rüberkommt, wie es erzählt worden ist.
00:25:42: Genau, auf jeden Fall.
00:25:43: Und auch beim Transprobieren, wenn dann mal extrem gelacht wurde oder die Interviewpartner in die Ferne geschaut haben und man gesehen hat, okay, das ist gerade ein... ein emotionaler Moment, so die Person geht gerade einmal tief in sich rein und muss einmal zurück kommen, dann haben wir das so in die Klammern gesetzt, damit das im Schriftelchen, so wie Eck da mir auch gesagt hat, nicht verloren geht, sondern damit wir das nochmal sehen und uns an den Moment zurück erinnern.
00:26:12: Ja, das kann ich mir gut vorstellen, dass man dann versucht sich darüber auch so ein bisschen Brücken zu bauen für, um... dann beim Auswerten auch zu wissen, wie viel Bedeutung hat vielleicht auch eine bestimmte Aussage gerade, ne?
00:26:25: Ja, genau.
00:26:26: Bei mir war das auch interessant.
00:26:28: Meine Oma hat dann ein paar Geschichten erzählt und meinte so, ja, du kennst sie doch, die aus dem Dorf und dann die und dann deine Mama und deine Schwester.
00:26:36: Und ich war so, Oma, ich kenne die Person, aber wenn die Person das lesen, andere Leute, dann wissen die nicht, was gemeint ist.
00:26:42: Also das war lustig, dass sie dann ein bisschen so erzählt hat.
00:26:45: als würde jede Person diese Menschen aus dem Dorf kennen und irgendwie versucht hat ihr das ein bisschen zu.
00:26:55: Musstest du direkt noch eine Netzwerkanalyse mitliefern.
00:27:00: Auf jeden Fall hätte ich machen müssen.
00:27:06: Ja, also ich finde es total spannend, weil eure Aus, also eure Transkripte waren ja dann die Basis für die gemeinsame Auswertung, die ihr ja dann wieder in der Gruppe vorgenommen habt.
00:27:19: Und da habt ihr ja nicht nur die eigenen geführten Interviews ausgewertet.
00:27:24: Es war ja eigentlich, dass ihr euch das so ein bisschen aufgeteilt habt.
00:27:28: Wie war denn dieser Auswertungsprozess dann?
00:27:31: Wie habt ihr euch da organisiert und wie seid ihr vorgegangen?
00:27:35: Also das war so, dass wir dann ein Kategoriensystem erst mal erstellt haben.
00:27:39: Wir sind die ganzen Interviews zunächst durchgegangen und haben uns zum Beispiel angeguckt.
00:27:46: Wann sind die Gastarbeiterinnen nach Deutschland gekommen?
00:27:48: In welchem Jahr?
00:27:49: Wie alt waren sie, als sie hierher gekommen sind?
00:27:52: Welchen Hintergrund hatten sie?
00:27:55: Wie sah die Biografie vor der Auswanderung?
00:27:59: Und dann, wie sah die Biografie in Deutschland aus?
00:28:02: Wann hat der Familiennachzug stattgefunden?
00:28:04: Und dann haben wir wirklich versucht, Kategorien zu erstellen, auch in Bezug auf Arbeit, soziale politische Teilhabe.
00:28:13: Genau, Biografie habe ich schon gesagt und dann sind wir tatsächlich alle Interviews durchgegangen, je nachdem, wer welche Kategorie dann übernommen hat und haben die dann zusammengetragen und am Ende haben wir uns die nochmal alle zusammen angeschaut, ergänzt, wenn es notwendig war und ja, so war dann der
00:28:32: Prozess.
00:28:32: Genau, ich glaube dadurch, dass wir auch nicht so eine Riesengruppe waren, hat das eigentlich ganz gut geklappt natürlich mit der Unterstützung von Frau Ilgün.
00:28:40: Also sie hat das ganz sehr gut geleitet und dann irgendwann Nach den ersten ein, zwei Interviews hat jeder verstanden, was gemacht werden muss und was dann an dem Tag im Museum vorgestellt werden muss.
00:28:51: Und dann lief das ziemlich gut.
00:28:54: Es war neu für mich, so was zu tun, aber sehr interessant.
00:28:58: Ich hatte gerade noch in Erinnerung, dass ihr ja vorher gesagt habt, ihr wolltet auch irgendwie... Ja, den Geschichten, den angemessenen Raum geben in dieser Veranstaltung und irgendwie auch mit Respekt begegnen, wertschätzend sein.
00:29:12: Und das ist ja auch ein gewisser Druck, den man dann ja hat in der Auswertung, könnte ich mir vorstellen, dem dann irgendwie auch gerecht zu werden und dass man dann auch so das alles aufbereitet.
00:29:25: Deswegen fand ich es nochmal interessant.
00:29:27: Ich glaube,
00:29:28: hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir viel mehr reingebracht und es gab halt ein Zeitfenster, woran wir uns halten müssen.
00:29:34: Am liebsten würden wir da, glaube ich, stundenlang stehen und vor allem weil das, glaube ich, auch so eine emotionale Tiefe und Verbundenheit mit uns.
00:29:39: Also es ist sehr nah.
00:29:42: Es war einfach schön, das präsentieren zu dürfen und auch sehr schön, dass so viele Leute kamen, um sich das anzuhören.
00:29:47: Auch die Leute, die vielleicht nicht so davon betroffen sind und die einfach neugierig waren.
00:29:51: Ich fand das sehr schön dort.
00:29:53: Ja.
00:29:54: Und was ich auch sehr wichtig fand, zum Beispiel bei dem Kategoriensystem, da hatten wir dann auch eine Kategorie bezogen auf die Rassismus-Erfahrungen, die gemacht wurden und auch auf die Sprach- und Integration.
00:30:10: Und da war das auch sehr spannend zu sehen, dass sich da, ich glaube, das waren insgesamt elf Interviews, die wir geführt haben.
00:30:18: Aber das hat sich immer wieder überschnitten, also die Antworten, was heißt die Antworten, die Erfahrungen, die mit uns geteilt wurden, die waren alle sehr, sehr ähnlich.
00:30:30: Ich fand es auch total interessant, dass so viele Rassismus erlebt haben, aber die es nicht benennen konnten.
00:30:37: Also für uns heutzutage ist das ja ziemlich offensichtlich, wenn man, also natürlich, es gibt Microaggressions, wo es nicht ganz so deutlich ist, aber selbst so ganz deutliche Sachen wie Kommentare zu hören, du sprichst ja kein Deutsch weg mit dir hier, und das wurde dann einfach als normaler gesehen.
00:30:52: Ja, das war nicht so eine nette Person.
00:30:54: und ich denke, nein, Oma, das war schon ziemlich rassistisch, also, dass du sowas hören musstest.
00:30:59: Aber damals, na ja, ich glaub, man war einfach, man wollte einfach den Tag überstehen, ohne irgendwelche Probleme.
00:31:06: Also, wenn du schon in deinem Land bist, du sprichst die Sprache nicht.
00:31:08: Also, mein Opa hat mir meine Oma erzählt, ist mit so einem Wörterbuch rumgelaufen, dass wenn er Deutsch sprechen muss, er das schnell rausholen kann.
00:31:15: Und ich dachte mir, also, ich wüsste jetzt nicht, wer so die Geduld auch hätte, so zu warten, bis mein Opa da einen Satz zusammestellen könnte.
00:31:23: Ja.
00:31:24: Ich starten mir auch ein bisschen leid, also solche Geschichten gab es schon echt häufiger.
00:31:29: Es war halt viel Dankbarkeit, also die haben das als Dankbarkeit verpackt, sag ich mal, die Gastarbeiterinnen und sie haben sich schlecht gefühlt, sich zu beschweren, weil sie haben ja in Gänsefüßchen die Möglichkeit bekommen auf ein besseres Leben in Deutschland und dafür mussten sie arbeiten, dafür mussten sie Leistung erbringen.
00:31:50: und dann war das so, dass zum Beispiel auch mein Interviewpartner erzählt hat, dass er ja nicht in der Position gewesen ist oder sich überhaupt in dieser Position gesehen hat, sich beschweren zu dürfen.
00:32:06: Weil Deutschland bietet ihm doch die Möglichkeit auf ein besseres Leben und seiner Familie in der Heimat geht es noch schlechter als ihm.
00:32:14: Genau.
00:32:14: Und das war dann auch so ein Moment für mich, wo ich dachte, okay, die Rassismuserfahrungen, die wurden normalisiert bzw.
00:32:22: relativiert.
00:32:23: Also es war normal, es war in Ordnung mal Darnspruch zu bekommen oder Darnspruch zu bekommen.
00:32:30: Es gab gar keine richtige Kulturform.
00:32:33: Ich darf mich jetzt beschweren oder ich darf überhaupt eine Meinung haben oder wenn mir das nicht gefällt, kann ich das äußern?
00:32:39: Nein, es wurde alles so genommen, wie man es bekommen hat.
00:32:42: keine Beschwerden, keine Probleme erwähnen.
00:32:44: Dankbar sein, dankbar sein, dankbar sein.
00:32:47: Das war so die Haltung.
00:32:49: Dankbar sein und auch mit viel Humor.
00:32:54: Ganz, ganz viel Humor.
00:32:58: Ich finde es vor allem interessant, weil ihr ja dadurch, dass ihr dann mehrere Interviews ausgewertet habt und dann festgestellt habt, da sind ja voll ähnliche Erfahrungen, dass ihr ja dem auch nochmal irgendwie mehr Raum gebt, das irgendwie zusammenzuführen.
00:33:12: Das sind ja dann nicht mehr nur einzelne Erlebnisse, sondern zeigen ja auch eigentlich, in welchem gesellschaftlichen Kontext.
00:33:22: sich auch die Gastarbeiter in dem bewegt haben und dass das ein rassistischer Kontext war oder einer, wo man eben solche Erfahrungen gemacht hat, auch wenn die einzelnen Personen das vielleicht gar nicht so als solche labeln würden.
00:33:34: Total.
00:33:35: Also meine Oma sagte teilweise, ähm, erzählte mir, sie erzählte mir eine Geschichte und ich war so, das ist total rassistisch.
00:33:42: und dann war sie so, nein, das ist gar nicht rassistisch, das ist, so.
00:33:45: was hab ich doch nie erlebt.
00:33:47: Und ich hab ja, hat dazu gehört und ich weiß ganz genau, dass sie das erlebt hat.
00:33:51: Und dass sie immer noch nach all diesen Jahren fast schon immer noch Angst hat, was zu sagen, als würde sie, ich weiß nicht, jemandem verraten oder als würde sie undankbar wirken oder diese Angst ist halt immer noch da.
00:34:06: Was waren denn so, also wir haben jetzt praktisch das Thema Rassismus-Erfahrung so ein bisschen besprochen.
00:34:12: Was waren denn sonst so zentrale Erkenntnisse, die ihr vielleicht in den verschiedenen Kategorien identifiziert habt aus den Interviews?
00:34:23: Also, da ich die Frauen bei mir hatte, das waren drei Gastarbeiterinnen, war definitiv der Genderaspekt auch wichtig, das zu erwähnen.
00:34:34: Vor allem, weil das alle Frauen waren, die nicht nur Kehrarbeit gemacht haben, also das haben sie auch getan, definitiv, aber halt auch in der Landwirtschaft gearbeitet haben oder in der Schneiderei.
00:34:46: Das waren halt deren Alltag, Kehrarbeit.
00:34:51: plus noch einen normalen Job zu haben.
00:34:54: Ich habe dann auch teilweise gefragt, war es nicht anstrengend?
00:34:57: Also wie hast du das alles?
00:34:58: Und dann noch?
00:34:59: Also das darf man natürlich nicht vergessen, vier, fünf Kinder zu haben und auf die aufzupassen.
00:35:04: Also wie schafft man das?
00:35:05: Wie kriegt man das unter einen Hut?
00:35:07: Das war definitiv auch wichtig zu erwähnen, dass es auch Solidarität unter Frauen gab, Unterstützung in der Nachbarschaft.
00:35:15: Hey, du gehst heute arbeiten, ich pass auf die Kinder auf.
00:35:17: Also so Communities, die sich dann gebildet haben.
00:35:22: Naja, dass sie das selber machen mussten, weil von außen gab es nichts.
00:35:25: Da mussten sie sich selber unter die Arme greifen und sagen, wir sind für einen noch da, wir sind aber hier.
00:35:32: Genau, dann haben auch Aspekte wie Betrieb und die Arbeitsbedingungen eine große Rolle gespielt und auch die Lebensbedingungen außerhalb der Arbeit, weil im Betrieb war das so, dass sie zum Beispiel nur so viel Deutsch gelernt haben.
00:35:50: wie sie es auf der Arbeit gebraucht haben, also wirklich nur Sachen bezogen, bezogen auf die Arbeit und jetzt nichts Privates.
00:35:57: Also zum Beispiel gibt mir den Hammer, gibt mir den Helm, wirklich nur so ganz kurze Anreisungen, die die Adan auswendig gelernt haben oder auswendig lernen mussten, aber es gab keinen Zugang zu Sprachkursen.
00:36:10: Das war überbewertet, sie sollten nur arbeiten, sie sollten nur Leistung erbringen.
00:36:16: Zu den Lebensbedingungen außerhalb der Arbeit ist mir im Sinn geblieben, dass zum Beispiel auch mein Interviewpartner erzählt hat, dass er gar keine Freizeit hatte.
00:36:25: Also, weil er halt ständig gearbeitet hat und die Freizeit, die er hatte, da hat er sich dann um den Haushalt gekümmert.
00:36:32: Die Männer haben sich auch so wie die Frauen gegenseitig unterstützt beim Kochen, bei der Wäsche und... viele Gastarbeiterinnen haben ja auch viele Jahre in den sogenannten Heimen gelebt, die wirklich, also das waren wirklich keine Lebensbedingungen dort, es war alles verschimmelt und dreckig, enge Räume, viele Menschen auf einem Fleck, so, man hatte gar keinen Rückzugsort, aber das war ein Gänsefügel so normal für die, also dafür wollen sie auch dankbar, obwohl alles Nicht so schön war, obwohl das alles so schwierig war und auch als dann die Familien nachgekommen sind, also als dann die Ehefrauen gekommen sind mit den Kindern, die waren alle in diesem Heimen, alle zusammen.
00:37:25: Also wirklich am Rande der Gesellschaft, abgeschottet von der Gesellschaft.
00:37:30: Aber gleichzeitig wurde erwartet, dass sie sich integrieren in die Gesellschaft und dann war das so, ob so klappt das denn nicht?
00:37:35: Was ist denn los mit euch Ausländern?
00:37:37: Aber hey, welche Türen wurden denn geöffnet?
00:37:40: Genau, also es ist gut, halt erwartet, dass sie sich integrieren, aber von der Gegenseite, also von der Gesellschaft, kein Support, also die Gesellschaft wollte sich auch nicht integrieren, weil Integration kann nur funktionieren, wenn beide Seiten.
00:37:55: aufeinander zugehen.
00:37:56: Und wenn immer nur eine Seite auf dich zukommt und du die ganze Zeit abblockst, dann denkt sich die eine Seite irgendwann, okay, die wollen uns nicht und dieses Gefühl haben sie vermittelt bekommen, dieses Gefühl haben sie erlebt und auch erfahren, dann bleiben sie in ihren Communities und wollen ihre Community schützen.
00:38:14: Und dann, wenn Leute aus, also das merke ich heutzutage, versuchen in diese Community reinzukommen, dann heißt es, warum fällt mir das so schwer, warum akzeptiert ihr mich nicht?
00:38:23: Obwohl diese Communities genau wissen, wie schnell sich das Blatt auch wenden kann und wie schnell sie dann wieder in der Opferrolle sind.
00:38:30: Also das ist, was ich am interessantesten fand, was ich so vieles, was ich immer noch in meinem Leben jeden Tag erfahre, auch schon damals so war, bzw.
00:38:39: damals war es so und es ist immer noch heute so.
00:38:42: Also über die Jahre, was alles immer noch so wichtig ist, vor allem heutzutage.
00:38:49: Das heißt, ihr konntet auch so eine gewisse Kontinuität im Endeffekt dadurch feststellen, dass
00:38:53: ihr
00:38:54: die Erzählungen mit eurer eigenen Erfahrung abgleichen konntet.
00:38:58: Was mir gerade noch eingefallen ist, als du die Land von den Bedingungen auf der Arbeit gesprochen hast und dass man dann irgendwie nur das Nötigste ... Deutsch lernen konnte, durfte, um irgendwie zu funktionieren.
00:39:14: Ich glaube, du hattest im Vorgespräch auch erwähnt, dass auch Arbeitsunfälle irgendwie ein Thema waren.
00:39:20: Auf
00:39:21: jeden Fall.
00:39:23: Da war es so, dass viele davon berichtet haben, dass sie zum Beispiel gar keine Schützausrüstung erhalten haben.
00:39:29: Also die haben ja alle gearbeitet und also in diesem Fabriken, in diesem Kohlfabriken, wo es wirklich auch super gefährlich ist und es ist super dunkel in den Minen und die haben halt keine richtige Arbeitsausrüstung erhalten und mussten dann gucken, dass sie da irgendwie so recht kommen.
00:39:52: Und ich erinnere mich, das war jetzt nicht mein Interview, das war ein anderes Interview, was geführt wurde, was wir dann ausgewertet haben.
00:40:00: Da war dann irgendwie ein Unfall auf der Baustelle mit einem Bagger.
00:40:05: Irgendeine schwere Metallplatte ist aufgefallen, aber das Wut hat nicht ernst genommen.
00:40:11: Und dann war er im Krankenhaus und dann hieß es so, ja, wann kannst du dann wieder arbeiten?
00:40:14: Oh,
00:40:16: okay.
00:40:18: Wo ich mir dann auch dachte, okay, ihr sorgt nicht dafür, dass die Menschen geschützt sind auf der Arbeit.
00:40:24: Es ist eure Pflicht, gute Arbeitsausrüstung bereitzustellen, die Menschen diese Sicherheit zu geben oder sie auch aufzukweilen.
00:40:31: Also, ne?
00:40:33: Wir an Deutschland denken, dann denken wir viel an Regeln, an Struktur, aber das hat dort gefehlt.
00:40:40: Da hat es keine Rolle gespielt, da war es okay, wenn es keine Struktur gab, wenn es keine klaren Regeln gab.
00:40:48: Sicherheitshinweise haben nicht existiert, Sicherheitsschulungen haben nicht existiert, da war es auch nur wirklich das Nötigste vom Nötigsten.
00:40:59: Ihr habt jetzt relativ stark auch die sehr schwierigen Arbeits- und Lebensbedingungen, die ihr aus den Erzählungen identifizieren konntet, berichtet.
00:41:11: Wie war denn das Resümee der Interviewpartnerinnen selbst?
00:41:16: Also was war Ihre Narration oder so von Ihrer Zeit in Deutschland?
00:41:26: Ich kann wieder das Wort Dankbarkeit aufgreifen.
00:41:31: Es wurde immer nur erzählt, wie toll, was für eine gute Möglichkeit das ist.
00:41:36: Und am Ende, glaube ich, war auch eine Frage von uns.
00:41:39: Würdest du das wieder tun?
00:41:41: Also, würdest du diese Entscheidung wieder treffen?
00:41:44: Und bei allen meinen Interviewpartnern war die Antwort, ja.
00:41:48: Ja, definitiv.
00:41:50: Also, nicht.
00:41:50: eine Person hat gesagt, ich glaube, auch bei den anderen elf Interviews war das nicht der Fall, dass eine Person gesagt hat, nein, es war ein Fehler.
00:41:57: Im Gegenteil also.
00:41:59: Es wurde sehr klar und deutlich, dass sie genau diese gleiche Entscheidung wieder treffen würden.
00:42:03: Das fand ich auch sehr interessant.
00:42:07: Ja, da kann ich mich aktuell anschließen.
00:42:11: und was mir noch im Kopf geblieben ist, als ich meinen Interviewpartner gefragt habe, dann hat er gesagt, dass er sich gewünscht hätte oder dass er sich wünscht, dass er mehr gelesen hätte.
00:42:24: Also er hatte dann später angefangen zu lesen, also Bücher zu lesen, weil er einfach nicht die Zeit dazu hatte aufgrund der Arbeit.
00:42:31: Er hat wirklich erst im Rentenalter angefangen dann zu lesen, weil er dann die Zeit hatte.
00:42:36: Dann hat er gesagt, Hila, ich hätte mir gewünscht, dass ich mir die Zeit dafür genommen hätte, weil Lesen ihn so sehr erfüllt und weil Lesen ihn auch ein Gefühl von Macht.
00:42:49: gegeben hat, also von Sicherheit und Macht und Empowerment auch für ihn selber.
00:42:55: Und was er auch angesprochen hatte, war, dass er sich gewünscht hätte, dass er sich mehr Zeit für seine Familie genommen hätte oder hätte nähen können für seine zwei Kinder und auch für seine Ehefrau.
00:43:10: Aber das war halt nicht möglich, weil die arbeiten mussten.
00:43:13: Und die haben nicht nur gearbeitet für die Familie hier in Deutschland, sondern auch in den Periods für die Familie in der Türkei.
00:43:20: Weil den ging es ja noch schlechter.
00:43:23: Und die mussten finanziell unterstützt werden.
00:43:25: Und es wurde auch erwartet, dass diese finanziellen Unterstützung dann stattfindet.
00:43:28: Das heißt, sie mussten doppelt so hart arbeiten.
00:43:31: Und das haben sie auch gemacht.
00:43:34: Das heißt, die Verantwortung nicht nur für die eigene... Also für das eigene Leben in Deutschland übernommen, sondern auch noch für jemanden, was ja auch
00:43:43: vielleicht noch mehr
00:43:44: Druck bedeutet.
00:43:46: Genau.
00:43:47: Mein Interviewpartner hat auch erzählt, wie immer am Ende des Monats Geld gespart worden ist und das direkt in die Türkei ging.
00:43:55: Also dieses Geld in die Heimat schicken, das ist ja immer noch so.
00:44:00: Das ist ja immer noch oft in Migrahäusern der Fall, dass man die Familie im Ausland unterstützt.
00:44:07: Schon damals fing das an und meistens wurde dann geguckt, worauf können wir verzichten, damit es unserer Familie besser geht.
00:44:15: Und da weiß ich auch von den Frauen, dass das oft zu Problemen geführt hat und zu Streitereien, weil mein Kindern soll es doch hier auch gut gehen.
00:44:24: Warum muss ich mich um deinen Onkel kümmern?
00:44:27: Also, da weiß ich, dass es viele Konflikte gab über dieses Thema.
00:44:32: Ja.
00:44:35: Habt ihr denn Unterschiede wahrgenommen, auch in den Erfahrungen zwischen Männern und Frauen?
00:44:40: Also Ekrem, du hast jetzt gerade schon gesagt, dass das Thema Geld vielleicht auch eins war, was unterschiedlich eingeschätzt wurde, aber vorhin meintest du auch, dass mit der Kehrarbeit und dass man irgendwie, dass man sich unter Frauen auch sehr stark unterstützt hat, aber gab es darüber hinaus Aspekte,
00:44:59: wo
00:44:59: ihr Unterschiede feststellen konntet?
00:45:03: Also ich habe das auch so mitbekommen, dass die Männer versucht haben, mit zum Wachen, so gut es geht, nach langen Schichten in der Mine, dass die trotzdem versucht haben, unter die Arme zu greifen und zu helfen.
00:45:16: Aber bei den Frauen war der Aspekt von den Kindern am meisten so im Mittelpunkt, habe ich das Gefühl, dass oftmals überlegt worden ist.
00:45:25: Okay, meine Kinder sollen aber hier bleiben und hier zur Schule, weil hier die Bildungsmöglichkeiten einfach besser sind.
00:45:32: Es gab ja auch einige Jahre diese Frage, gehen wir zurück, werden wir zurückgehen, ein bisschen Geld machen, das war auch mal so ein Ding.
00:45:38: Wir machen jetzt Geld, wir sparen ein bisschen, aber dann gehen wir ja wieder zurück.
00:45:43: Aber dann hat man mit den Jahren gemerkt, okay, das wird glaube ich nicht ganz so klappen und wir haben uns irgendwie so ein Leben aufgebaut.
00:45:51: Ja, ich fand das einfach interessant, dass Frauen auch gegenseitig sich sehr stark unterstützt haben in den Nachbarschaften, also definitiv.
00:46:02: Und in den, man nennt das Gyn, das sind bestimmte Tage, wo sich dann die Frauen treffen und dann sich austauschen, meistens verbunden dann mit, ja, wenn man so angespart ist, hat, dass man das dann verteilt und so spartagemäßig, das kann man auch mit Gold machen.
00:46:20: Also es wurden so Sachen gefunden, womit man sich halt, womit man einen Grund hat, sich zu treffen, sich zu sehen und dann Live-Updates zu geben.
00:46:29: Und dann geht jeder zurück und dann, also das es bestimmte Tage gibt und das gibt es immer noch, das finde ich auch sehr schön, dass sich das noch so gehalten hat.
00:46:39: Genau und das war auch für viele Familien sehr, sehr schwierig, weil die Männer ja zuerst nach Deutschland bekommen sind, also das war ja sozusagen die Norm oder in den meisten Fällen war das so.
00:46:52: Und dann, als die Familie dann nachkommen konnte, also die E-Freund, die Kinder, dass sich viele dann erst mal zu Hause gefühlt haben.
00:47:02: Davor haben sie sich sehr, sehr fremd gefühlt.
00:47:06: Mit der Familie haben sie sich auch noch fremd gefühlt, aber nicht mehr.
00:47:09: so fremd, weil sie hatten ja ihre kleine Familie jetzt bei sich und ich erinnere mich an ein Interview, das wir dann auch ausgewertet haben, wo dann der Interviewpartner erzählt hat, die Arbeit, sie war sehr anstrengend auf jeden Fall, aber als ich dann nach Hause gekommen bin und meine Kinder gesehen hab, dann war alles wieder vergessen, dann war ich glücklich.
00:47:31: Also das hat auch eine ganz große Rolle gespielt, diese... wie soll ich sagen, dieses... Diese emotionale Belastung, die die verspült haben und auch diesen Heimweg, den die hatten.
00:47:47: Was die Ängter mir auch schon angesprochen haben, weil viele dachten, dass sie wirklich nur hierhin kommen, ein paar Jahre arbeiten, genug Geld verdienen und dann sich das Leben in der Türkei weiter aufbauen.
00:47:57: Aber dann sind sie hierher gekommen und nie wieder gegangen.
00:48:01: Genau, dann gab es ja dieses im Sommer mit dem Auto in die Türkei.
00:48:06: Und da habe ich auch echt gemerkt, dass das so wichtig war.
00:48:09: Der Sommer wurde zu einer sehr wichtigen Zeit, dann ging man halt zurück in die Heimat.
00:48:14: Und dann hat man die Schwestern gesehen, die Brüder, die Familie, die Eltern vor allem.
00:48:18: Und was mir ein Interviewpartner auch erzählt hat, was ich sehr interessant fand, dass nach den ersten zwei, drei Jahren, als er dann wieder in die Türkei fuhr, dass er mit einer sehr negativen Haltung willkommen, die hießen wurde, er war auf einmal Ausländer.
00:48:35: Und ich finde heutzutage sieht man das immer noch, dass wir nicht wirklich deutsch sind, aber wenn wir in der Türkei sind, sind wir nicht wirklich türkisch und was sind wir.
00:48:43: Und dass das schon damals so früh eigentlich angefangen hat, da muss ich echt sagen, das hat mich sehr überrascht.
00:48:50: So Gemeinsamkeiten zu haben mit einem Mann, der fünfundsechzig, sechsensechzig ist, ist schon vor allem in dem Kontext war sehr überraschend.
00:49:00: Also, das habe ich ihm auch erzählt und dann war er ja auch überrascht.
00:49:02: Was?
00:49:02: Das gibt es immer noch nicht so.
00:49:03: Ja, tatsächlich.
00:49:07: Ja, vielen Dank, dass ihr mit uns diese Ergebnisse geteilt habt, vor allem auch diese Einordnung der Ergebnisse, die ihr auch, wie wir jetzt gerade gesehen haben oder wie Marina auch schon gesagt hat, einfach auch zum Teil eine Kontinuität nachzeichnet und dass ihr vor allem auch zum Teil sehr persönliche Eindrücke mit uns geteilt habt.
00:49:26: Ihr hattet am Anfang, oder es kam jetzt immer mal wieder so raus, dass es ja auch einfach sehr wichtig ist, dass einfach diese Geschichten auch einfach gehört werden.
00:49:35: Ihr hattet gesagt, dass es manchmal auch so den Eindruck hatte, dass die Geschichten nur darauf gewartet haben, erzählt zu werden.
00:49:42: Deswegen vielleicht jetzt zum Abschluss möchte mir noch mal so das letzte Wort an euch übergeben.
00:49:48: Ausblickend braucht es einfach mehr davon.
00:49:51: Auf jeden Fall bei... Diese Repräsentation bedeutet ja auch irgendwo Anerkennung und Würdigung von den ganzen GastarbeiterInnen und auch die weitergaberniemene Generation.
00:50:04: Und ich finde es so wichtig, dass die Geschichten erzählt werden und ich wirklich für die Zukunft wünsche, dass all die GastarbeiterInnen, die ihre Heimat verlassen mussten, weil sie auf ein besseres Leben gehofft haben, jetzt wie zum Beispiel hier in Deutschland das See.
00:50:22: stolz auf sich sind und dass sie wissen, was sie alles geleistet haben, obwohl das alles so schwierig war und obwohl sie immer nur Hürden begegnet sind, weil es war alles andere als einfach.
00:50:36: sie mussten all die Also all die harte Arbeit, die sie machen mussten, all die Tränen, all der Schmerz, der auch oft still einfach war und in den Familien still stattgefunden hat.
00:50:47: Man hat nicht drüber gesprochen.
00:50:49: Das war nicht selbstverständlich, dass das ausgehalten werden muss.
00:50:52: Und wirklich danke dafür, dass sie das ausgehalten haben, dass sie immer weiter gemacht haben und dass sie uns den Kindern und Enkelkindern... die Möglichkeit auf ein besseres Leben gegeben haben.
00:51:07: und ich hoffe sie wissen, dass sie bei Ungerechtigkeit laut sein dürfen und auch laut sein müssen.
00:51:15: Es ist ihr Recht und dass sie wissen, dass sie sich nicht ständig erklären müssen oder rechtfertigen müssen und dass sie auch für sich selber einstehen können.
00:51:29: Und es ist ja jetzt auch so, dass die erste Generation war.
00:51:34: Und wir als die dritte Generation, jetzt zum Beispiel Ektam und ich, wir sind in einer Position, wo wir nicht mehr leise sind.
00:51:41: Wir nehmen Räume ein, wir tragen ihre Träume und Wünsche in uns und leben diese auch weiter.
00:51:48: Und ich glaube, es ist so wichtig, dass wir uns das auch immer wieder bewusst machen und auch, dass die Gesellschaft einfach weiß, dass... dass jetzt darüber gesprochen wird und dass diese Geschichten den Raum endlich bekommen, den sie verdienen.
00:52:06: Genau, und auch an dieser Stelle auch einfach danke an Frau Ilgin-Büchner-Ohne, dass sie sich dafür einsetzt und dass auch alle anderen Menschen und auch ihr vom Meltingport-Team, dass ihr da die Möglichkeit gibt, dass diese Geschichten erzählt werden, dass die einen Raum bekommen, dass Menschen zuhören können und auch zuhören dürfen, weil es einfach so wichtig ist, dass diese Geschichten erzählt werden, weil sie oft unsichtbar waren.
00:52:36: Keiner hat darüber gesprochen, sie wurden verschwiegen und ja, ist einfach ein sehr emotionales Thema, glaube ich auch.
00:52:48: Ja, die dritte Generation ist jetzt am Start, sag ich mal so.
00:52:51: Wir setzen uns für alle ein, die es nicht konnten, den die Möglichkeit lange verwertgeblieben ist und hoffen darauf, dass sich das dann in
00:53:05: Zukunft auch verbessert.
00:53:07: Ich hab Gänsehaut.
00:53:10: Hätte ich nicht
00:53:10: besser sagen können, Dylan.
00:53:12: Was ich aber ergänzen kann, ist, dass die Gastarbeiterinnen die erste Generation älter wird.
00:53:17: Und das sollten wir alle bedenken.
00:53:20: Hört Ihnen zu, vor allem wenn ihr Familienmitglieder habt, setzt euch an einen Tisch, nimmt diese Geschichten auf.
00:53:25: Sie sind wunderschön, auch wenn sie manchmal schmerzhaft sind.
00:53:28: Und das Ganze in einem Hochschulkontext zu bringen und aus der Bubble, wo sie eigentlich stattfindet, rauszunehmen und eine Bühne zu bieten, finde ich super, finde ich sehr, sehr toll.
00:53:39: Also brauchen wir mehr, mehr Representation.
00:53:43: Ja.
00:53:45: Es gibt ja auch genug Beispiele von jetzt Professoren, Professoren, die an Unis oder an Hochschulen leeren, wo die Eltern oder die Großeltern geputzt haben und wo sie mit den Finger auf sie gezeigt wurden.
00:53:59: Und diese Großeltern, die Eltern sitzen jetzt in diesem Vorlesungssälen und hören ihren Kindern, ihren Enkelkindern zu, wie sie vorne stehen und leeren.
00:54:09: Und das ist wirklich so ein Gefühl von... von Dankbarkeit einfahren, also jetzt für die Gastarbeiterinnen, aber auch für die Kinder und Enkelkinder, dass sie es geschafft haben.
00:54:23: und wirklich möchte einfach nur betonen, dass sie sich nicht immer erklären müssen, sie müssen sich nicht kleinhalten, weil sie sind alles andere, aber nicht klein, sie haben so viel geschafft, nicht nur für sich, aber für uns, für die Zukunft und dafür bin ich wirklich unendlich dankbar.
00:54:42: Ich auch.
00:54:43: Ich glaube, wir alle.
00:54:44: Ich glaube, alle Mikrokindern verstehen das.
00:54:49: Man fühlt sich auch manchmal schlecht oder hat dann dieses Gefühl von, okay, ich muss jetzt noch mehr machen, aber auch ihr seid genug.
00:54:57: So, ihr müsst nicht noch mehr machen.
00:54:58: Es ist in Ordnung.
00:54:59: So, ich wünsche mir einfach nur für die Zukunft, dass Menschen einfach sein dürfen.
00:55:05: Einfach sein dürfen, ohne sich immer weisen zu müssen, ohne immer Leistung erbringen zu müssen.
00:55:12: Auch wenn wir in einer Leistungsgesellschaft leben, das ist aber ein ganz anderes Thema.
00:55:18: Da will ich jetzt auch gar nicht zu tief reingehen, aber einfach sein dürfen.
00:55:23: Das wäre toll.
00:55:26: Ein sehr, sehr starker Ausblick.
00:55:28: Wirklich.
00:55:28: Und sogar ein guter Vorsatz steckt da sogar auch drin.
00:55:33: Hört
00:55:34: die Geschichten, so lange es noch geht.
00:55:39: Vielen Dank an euch beide.
00:55:42: Sehr, sehr vielen Dank, dass ihr heute hier wart, dass ihr das alles mit uns geteilt habt.
00:55:46: Es
00:55:47: hat sehr viel Spaß gemacht.
00:55:48: Auch ein Dankeschön an euch.
00:55:49: Ja, ein ganz großes Dankeschön.
00:55:52: Wir
00:55:52: freuen uns wirklich sehr, euch dabei gehabt zu haben.
00:55:56: Genau.
00:55:57: Und natürlich auch an unsere Zuschauerinnen da draußen.
00:56:00: Auch bei euch möchten wir uns bedanken fürs Zuhören und wir hoffen, dass ihr beim nächsten Mal auch wieder dabei seid.
00:56:05: Und damit verabschieden wir uns und sagen Tschüss.
00:56:10: Aber halt!
00:56:11: Da kommt noch was.
00:56:13: Wir haben ja bereits erwähnt, dass die Gastarbeiter in den Generationen keinen wirklichen Zugang zu Sprachkursen hatte.
00:56:19: Und die Sprachkurse, die es gab, die waren ja eigentlich nur Arbeitsbezogen.
00:56:24: Das heißt nur Begriffe und Inhalte, die für die Arbeit notwendig waren, wohnvermittelt.
00:56:29: Und uns war es jetzt noch mal wichtig zu erwähnen, dass oft übersehen wird, wie grundlegend Sprache eigentlich ist.
00:56:36: Also ohne Sprache gibt es keinen Zugang zur Bildung.
00:56:40: Und wenn man keinen Zugang zur Bildung hat, dann wird auch die Integration massiv erschwert.
00:56:46: Das bedeutet Sprache ... Sprache bedeutet nicht nur Kommunikation, sondern sie bedeutet auch Selbstbestimmung, die Möglichkeit sich auszudrücken, Rechte zu verstehen und am gesellschaftlichen Leben auch teilzunehmen.
00:57:02: Dieser Zugang hat gefehlt für viele Gastarbeiterinnen und dadurch, wo sie, wie bereits auch schon erwähnt wurde, strukturell ausgeschlossen.
00:57:12: Sie sind in den Communities geblieben, nicht weil sie sich nicht integrieren wollten, sondern weil die Gesellschaft die notwendigen Voraussetzungen dafür nicht geschaffen hat.
00:57:22: Das zeigt einfach nur, dass Sprache kein Zusatz ist, sondern dass Sprache eine wichtige Voraussetzung für Bildung, Integration und soziale Gleichberechtigung spielt.
00:57:37: Genau diese Themen finden sich auch in der Musik heutzutage wieder, wie z.B.
00:57:43: in vielen verschiedenen Songs von dem Rapper Absilon.
00:57:47: Und hier muss sich explizit an den Songköfter denken von ihm.
00:57:51: Vielleicht mögt ihr da mal rein hören.
00:57:54: Genau.
00:58:04: Minus gerade draußen Minus gerade im Torach Seinsam mit Kanakenmänner Arbeit, Tabaracke Tag für Tag am Akkamp für das Kapital in Taschenvomg Gleiche Impact das dreißig Jahre vorher ohne Wimpern zocken Menschen in die Gaskammern verfrachtet hatte und während Molotovs auf die Unterkünfte passen auf der Arbeit und beim Amt immer lachen, immer lachen und der Enkel kriegt keine Job und keine Wohnung wegen des Arms bei den Enkeln der Fabrikbesitzer, die die Großeltern damals ausgebäutet haben.
00:58:31: und sie fragen und sie fragen, warum ticken Kennex Action und rennen weg vor der Police?
00:58:35: Warum suchen Kennex Action und sind immer aggressiv?
00:58:38: Warum tun sie schon mit Sechzehn auf Mafioso und Bandit?
00:58:41: Warum hängen sie in der Spielung im Café und auf der Street statt die Zeit und Energie in die Zukunft zu investieren?
00:58:56: Das
00:58:56: war's mit dieser Ausgabe des Podcasts Märting-Pod.
00:58:59: Migration im Dialog.
00:59:02: Für mehr Informationen über die Arbeit unseres Netzwerkes und für Updates zum Podcast findet ihr uns auf Twitter unter et incenten.
00:59:10: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal.